TRAUNER Leseprobe

Organisationsprinzipien verstehen: Die Basis erfolgreicher Führung 89 hat, aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden, kann die Intensität dieser Gefühle gut nachvollziehen. Historisch bedeutete der Ausschluss aus der Gemeinschaft nicht selten Lebensgefahr oder gar den Tod, weshalb es sich dabei um eine bewusste oder unbewusste Existenzangst handelt. Entgehen kann man dieser Angst, indem man sich mehreren Gruppen zugehörig fühlt. So ist das Individuum nicht durch Ausschlussdrohung erpressbar, die Stabilität der Zone bleibt erhalten. Wer hingegen ausschließlich einer einzigen Gruppe angehört, riskiert erhebliche Instabilität. In Unternehmen übernehmen verschiedene Teams oder auch das Management eine wichtige Funktion als stabilisierende soziale Zonen. Macht Macht bedeutet, Einfluss auf andere auszuüben und deren Handlungen zu steuern. Dabei spielt es keine Rolle, auf welchem Weg diese Macht erlangt wird – sei es durch körperliche Stärke, überlegene Werkzeuge, eine hierarchische Position, den Zugang zu Informationen und Wissen, die Kontrolle über Schlüsselstellungen oder durch die Wirkung von Werbung und Gerüchten. Für die meisten Menschen ist Macht erstrebenswert, denn kaum jemand – abgesehen vom Einsiedler – möchte völlig ohne Einfluss sein. Es muss dabei nicht um die Herrschaft über ganze Völker oder große Belegschaften gehen – oftmals genügt bereits ein gewisses Maß an Einfluss im Büro, innerhalb der Familie, im Verein oder im Restaurant. Es ist erstaunlich, was Menschen alles aushalten, wenn sie zumindest eine stabile Zone in ihrem Bewusstsein haben, auf die sie unter Stress zurückgreifen können. Stabile Zonen haben daher für uns eine außerordentliche Bedeutung – ohne sie können wir nicht leben. Ihr Verlust ist auch ein Verlust von Identität. Stabile Zonen werden daher gegen Angriffe erbittert verteidigt, ihr Schutz ist somit auch Selbstfürsorge.

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