Endlich bleiben mir die Leut’! 170 interessanten Menschen bei einer guten Flasche Wein zusammensitzen – die Zeit verrinnt wie im Flug, und ehe wir uns versehen, ist es Mitternacht. Die alten Griechen hatten für Zeit zwei Worte: Chronos und Kairos. Chronos Chronos beschreibt die Quantität von Zeit. Diese wird in Tage, Stunden, Minuten etc. geteilt und mit Chronometern, sprich Uhren, gemessen. Diese Form von Zeit ist diejenige, nach der wir uns in der modernen Welt überwiegend richten. Kairos Kairos hingegen beschreibt die Qualität von Zeit und wird auch als „der richtige Augenblick“ übersetzt. Wir alle kennen Momente, in denen wir sagen: „Genau jetzt hat es perfekt gepasst.“ Unser Alltags-, vor allem aber unser Berufsleben richtet sich jedoch ausschließlich nach der Quantität von Zeit, also dem Konzept Chronos – es geht um genaue Terminplanung, Pünktlichkeit und Taktung. Schon bei der Idee, nach dem Konzept von Kairos zu arbeiten, schütteln die meisten Menschen den Kopf: Wie sollen wir uns etwas ausmachen, ohne eine Zeit zu vereinbaren? „Wir treffen uns, wenn dafür die richtige Zeit ist“, funktioniert in einer Chronos-Welt nicht. Zugleich fühlen wir uns gestresst und stressen andere mit immer genauerer Taktung und immer kleiner zerhackten Chronos-Einheiten. Elektronische Planungswerkzeuge erinnern uns an Termine und in Seminaren lernen wir, Zeit noch effizienter zu nutzen. Die Versuchung ist groß, keine eigenen Entscheidungen treffen zu müssen, weil es die Uhr für uns tut. Diese Abhängigkeit kann recht bequem sein, Stress hin oder her. Doch was wäre, wenn wir dieses Muster hinterfragen? Was, wenn wir uns erlaubten, eine Balance zwischen Chronos und Kairos zu suchen und uns die Zeit wieder zurückzuholen? Wie könnte das funktionieren?
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