Endlich bleiben mir die Leut’! 136 Jede zusätzliche Leistung muss ausgeglichen werden. Die „Währungen“ dafür können unterschiedlich sein. Versuchen Sie das in Ihrem Unternehmen gelebte Modell des Ausgleichs zu eruieren – und wie Sie sich als Führungskraft darin bewegen, wie Sie es leben und wie Sie es besser machen könnten. Dabei hilft auch die Suche nach Beispielen, bei denen Ausgleich nicht funktioniert hat. Sie finden diese manchmal, wenn Sie sich an Mitarbeiter/innen erinnern, die nicht im Guten gegangen sind. Hatte fehlender Ausgleich möglicherweise damit zu tun? Hier spielt auch die Frage nach der Gerechtigkeit eine große Rolle: Beurteilen Sie nach der Leistungsgerechtigkeit („Es ist gerecht, dass mehr bekommt, wer mehr leistet“), nach der Bedürfnisgerechtigkeit („Es ist gerecht, dass mehr bekommt, wer mehr braucht“) oder nach der Gesetzesgerechtigkeit („Es ist gerecht, dass mehr bekommt, wem durch das Gesetz mehr zusteht“)? Diese Formen widersprechen einander und es ist als Führungskraft nicht leicht, sich für eine zu entscheiden, ohne in bestimmten Situationen ins Straucheln zu geraten. Ein wichtiges Prinzip in diesem Zusammenhang darf auch nicht außer Acht gelassen werden: Selbsterhaltung. Systeme versuchen, sich selbst zu erhalten, indem sie Kräfte mobilisieren, die für die Einhaltung von Bindung, Ordnung und Ausgleich sorgen. Systeme bestehen aus Menschen, die einerseits Individuen (also quasi eigene, abgeschlossene Systeme in einem größeren System) und andererseits Teil des Gesamtsystems sind. Wenn diese aufeinandertreffen, übernimmt das Individuum die Verantwortung für etwas, das weder von ihm verursacht wurde noch in seiner Zuständigkeit liegt. Es wird sozusagen zur Kraft des Systems und wirkt. Es existiert nicht mehr nur als Individuum. Das System bedient sich quasi der in ihm existierenden, denkenden und handelnden Individuen. Vertiefende Ausführungen dazu finden Sie bei Mätzener/Schwarz: Erfolgreiche Betriebsübergabe in Familienunternehmen.
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