TRAUNER Leseprobe

Organisationsprinzipien verstehen: Die Basis erfolgreicher Führung 17 Aber was hat Flugangst mit Management zu tun? Was die Luftfahrt als technische Disziplin auszeichnet, sind ihre Reflexionsfähigkeit und Fehlerkultur. Früh erkannte man, dass der Mensch ein zentraler Bestandteil des Luftfahrtsystems ist und – ähnlich wie technische Systeme – über Stärken und Schwächen verfügt. Daher wurde es unerlässlich, den Faktor Mensch im Qualitätsmanagement bis hin zum Krisenfall konsequent einzubeziehen. Bemerkenswert ist, dass seit den 1970er-Jahren das Fliegen um den Faktor 60 sicherer geworden ist. Einer der Gamechanger in dieser beeindruckenden positiven Sicherheitsentwicklung war das „Crew-Ressource-Management“ (CRM). Wir haben uns mit KURT ESCHBACHER, zum Zeitpunkt des Gesprächs Senior Scientist und Deputy Head of Aerospace Research der Universität Salzburg, unterhalten. Er hat sich mit dem Thema Crew-Ressource-Management seit Jahren systematisch beschäftigt. Zusammenfassend, sagt ESCHBACHER, ist CRM das geordnete Überwinden von klassischen Hierarchien bzw. das effektive Nutzen aller zur Verfügung stehenden Ressourcen. Eindrucksvolle Anwendung fand das Crew-Ressource-Management mit den drei Faktoren „Keep Calm and Aviate, Navigate, Communicate“ in der spektakulären Wassernotlandung des US-Airways-Fluges 1549 im Hudson River am 15. Jänner 2009. „Got any ideas?“, fragte Kapitän CHESLEY SULLENBERGER, kurz Sully, seine Crew, nachdem durch Vogelschlag gleich beide Triebwerke ausgefallen waren. Die Notwasserung war nach Angabe beider Piloten nur durch das funktionierende CRM erfolgreich durchzuführen: Kooperation, situative Aufmerksamkeit, Führung und Entscheidungsfindung sowie offene Kommunikation überwanden hierarchische Vorgangsweisen. GOT ANY IDEAS?

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