Endlich bleiben mir die Leut’! 214 Was braucht es, um jemandem nach einem wenig erfreulichen ersten Eindruck eine zweite Chance zu geben? Auch wenn oft behauptet wird, dies sei unmöglich: Wenn der zweite Eindruck positiv genug ist, kann er den ersten nach einiger Zeit ersetzen. Was ist, wenn das Bauchgefühl genau richtig ist? Im besten Fall entstehen daraus rasch intensive und lang anhaltende Beziehungen – sei es in Form stabiler Freundschaften oder einer vertrauensvollen und konstruktiven Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Bei einem unguten Gefühl ist es nicht so einfach und selten erfreulich. Ich – GUIDO SCHWARZ – erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Es war in Wien, in einem schönen Gründerzeithaus mit einem dieser klassischen Stiegenhäuser. Ich hatte einen Termin mit dem Chef einer Trainingsfirma. Über einen Freund empfohlen, sollte ich das Führungskräftetraining eines Kollegen übernehmen. Ich war ein paar Minuten zu früh und wartete vor der Eingangstür. Dann hörte ich jemanden von unten die Stiegen heraufkommen. Ich blickte hinunter und sah nicht mehr als einen Scheitel. Trotzdem schrillten bei mir die Alarmglocken. Das passiert mir hin und wieder, aber selten so stark. Obwohl mein Bauchgefühl mich warnte, ignorierte ich es, weil ich den Job unbedingt wollte. Das stellte sich später als schwerer Fehler heraus, es gab heftige Konflikte und nach dem ersten Training war die Zusammenarbeit beendet. Ich erinnere mich noch an die letzten Worte am Telefon: „Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder irgendwo einen Job bekommst.“ Zwar erwies sich diese Drohung als haltlos, traf mich aber dennoch hart, da ich als junger Trainer weder gut vernetzt noch finanziell abgesichert war. BEISPIEL
RkJQdWJsaXNoZXIy NjMwNzc=