Endlich bleiben mir die Leut’! 220 Gespannt wurde die Reaktion des Chefs beobachtet – würde er lachen, entsetzt sein …? Es war glücklicherweise Ersteres. In der nächsten Pause meinte ein Mitarbeiter: „Es ist was Komisches passiert: Ich bin seit fünfzehn Jahren in der Firma und seit mehreren Jahren in der Abteilung von Thomas. Aber heute habe ich das erste Mal erkannt, dass ich Respekt vor meinem Chef habe.“ Was war passiert? Die Mitarbeiter/innen hatten erlebt, wie der Chef „menschlich“ wurde, wie sie es ausdrückten. Interessant ist dabei, was sie mit „menschlich“ meinten, nämlich den Verzicht auf die Position des Chefs. In der Hierarchie gibt es ja immer ein „Oben“ und ein „Unten“ und diese Positionen sind unveränderbar. Thomas hatte dieses System infrage gestellt, indem er zeigte, dass er Autorität ohne Hierarchie hatte, also Chef war, ohne die Chefposition einnehmen zu müssen. Seine Autorität gründete sich auf der Funktion der Führung, die er einfach gut ausübte, nicht auf der hierarchischen Macht der Position. Das war es, was ihm Respekt verschaffte. Aus der Perspektive der Gruppendynamik definieren wir Autorität auch als „Funktion, die einer Person von einer Gruppe verliehen wird“, und nicht als Charaktereigenschaft oder (genetisch bedingtes) Verhalten. Um aus der Funktion heraus führen zu können, braucht man keine hierarchische Position. Wer darauf verzichten kann, führt meist anders, für den Rest gelten die beiden alten „Regeln“: Regel 1 lautet: Der Chef hat immer Recht. Regel 2 lautet: Hat der Chef einmal nicht Recht, tritt automatisch Regel 1 in Kraft. Übung: Unternehmenskultur „Menschsein“ Im Folgenden eine Übung zur Führungskultur in Bezug auf emotionale Sicherheit: Versuchen Sie sich bei jedem der folgenden Punkte zu fragen, wo Sie stehen. Das reicht von „Das bin genau ich“ bis zu „Da ist noch deutlich Luft nach oben“. Ehrlichkeit: Ehrlichkeit signalisiert Nähe, Floskeln erzeugen Distanz. In komplexen Situationen kann ich auch als Chef/in nicht alles überblicken. „Wer fragt, führt“, heißt es. Fragen hat nichts mit mangelnder Kompetenz zu tun. Fragen zeigt, dass man
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