TRAUNER Leseprobe

Führen und Entwickeln – hilfreiche Haltungen und Werkzeuge 225 Der ausgeschlossene Onkel Durch den Tod der Mutter gab es plötzlich eine veritable Krise im Unternehmen. Die Tochter musste übernehmen, die nächste Generation war noch nicht so weit und dann gab es noch den Bruder der Verstorbenen. Er war seit Ewigkeiten im Betrieb und durch seine familiäre Stellung hatte er so etwas wie Narrenfreiheit. Das führte aber irgendwann zu starken Spannungen, weil sich seine Arbeitsweise mit den üblichen Abläufen nicht vereinbaren ließ. Zudem war die Lage komplex, denn der Seniorchef war ebenfalls noch da und hielt schützend die Hand über seinen Sohn. Die Belegschaft war gespalten, die rechtliche Situation prekär und alle waren mit den Nerven am Ende. Die Lösung war radikal und sehr schmerzhaft für alle: die Trennung vom Onkel. Diese Entscheidung diente der Unternehmensentwicklung. Heute wird der Betrieb erfolgreich bereits von der nächsten Generation weitergeführt und die familiären Beziehungen sind alle wiederhergestellt − also ein „Happy End“. Die nicht gesehene (mittlere) Tochter Ein Betrieb mit drei Geschwistern − zwei Brüder, eine Schwester − soll zu ungleichen Teilen im Eigentum übergeben werden. Derjenige, der den Betrieb führt – der jüngste der drei Geschwister –, soll doppelt so viele Anteile bekommen, um in seinen Entscheidungen Gestaltungsfreiheit zu haben. Wenn drei Geschwister da sind, wird das mittlere Kind meist übersehen, und so kämpft auch in diesem Beispiel die nicht gesehene (mittlere) Tochter um ihren Platz im Unternehmen, aber auch um ihre Anerkennung beim Betriebsübergeber (also den Eltern). Der Betrieb steht für die Geschwister emotional für Liebe − wer weniger Anteile vom Betrieb bekommt, erhält demnach emotional betrachtet weniger „Liebe“ vom Übergeber. Dazu kommt, dass der jüngere Bruder wegen des Mehrheitsanteils und seiner Rolle als Geschäftsführer der älteren Schwester Weisungen geben darf. Abhilfe kann hier ein Eigentümerinnen-Gremium schaffen, in dem alle strategischen Fragen gemeinschaftlich erarbeitet werden.

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