TRAUNER Leseprobe

Sich gut trennen – die Kunst des Offboardings 231 onalen Reaktionen konfrontiert zu werden. Hinzu kommt häufig die Angst, nach der Kündigung nicht souverän mit den Folgen und den Gesprächen umgehen zu können. Selbst wenn die Zusammenarbeit längst nicht mehr harmonisch verläuft, bleibt die Unsicherheit, ob die Entscheidung wirklich richtig ist – schließlich bedeutet jede Veränderung auch einen Abschied von Vertrautem und einen Schritt ins Unbekannte. Sind Sie hingegen die verlassene Seite, überwiegen nach dem ersten Schock oft Gefühle wie Wut, Kränkung oder Enttäuschung. Der Verlust schmerzt, selbst wenn die Arbeitsbeziehung zuletzt schwierig war. Der Blick richtet sich auf die Herausforderungen, die durch die Trennung auf den Betrieb zukommen könnten, und diese Unsicherheit kann Angst auslösen. Nicht selten bleibt man in der eigenen Verletzung gefangen, verharrt im Zustand der Trennung und verliert dabei die Perspektive für die Zukunft. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie, wo Teamgeist und Zusammenhalt eine zentrale Rolle spielen, ist es entscheidend, Offboarding-Prozesse mit Empathie und Fingerspitzengefühl zu gestalten. Eine offene Kommunikation, Wertschätzung und das Zulassen von Emotionen sind Schlüsselfaktoren, um den Übergang für alle Beteiligten möglichst würdevoll und konstruktiv zu gestalten. So kann der Blick – nach einer Phase des Abschieds – wieder nach vorne gerichtet werden und Raum für neue Möglichkeiten entstehen. Trennungen schlagen so lange aufs Gemüt, bis der Verlust „verdaut“ ist. Die Zeitdauer dafür ist höchst individuell. Aus Unternehmenssicht währt das „Verdauen“ üblicherweise so lange, bis die Stelle nachbesetzt ist, genau genommen aber so lange, bis die Nachfolgerin/der Nachfolger routiniert genug für ein selbstständiges Arbeiten ist. Bevor wir uns dem Trennungsmanagement aus Unternehmenssicht zuwenden, ist es wichtig, dass Sie sich die reflexartigen, scheinbar unbeeinflussbaren Vorgänge der Psyche vor Augen führen, damit Sie dann die anstehende Trennung mit einer empathischen Haltung, Achtsamkeit und der Wertschätzung Ihres Gegenübers durchführen können.

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