Endlich bleiben mir die Leut’! 30 MICHAEL BRAUNGART, Begründer des kreislaufwirtschaftlichen Cradle-to-Cradle®- Modells, hat den Kirschbaum als Symbol für Freigiebigkeit ins Zentrum der Betrachtung gestellt: Der Baum trägt weit mehr Blüten als später Früchte – viele fallen scheinbar nutzlos zu Boden. Doch sind sie deshalb sinnlos? Aus der Biologie wissen wir: Der Kirschbaum produziert eine überreiche Zahl an Blüten, weil er so seine Chancen auf erfolgreiche Bestäubung maximiert. Nicht jede Blüte wird befruchtet und viele Knospen gehen verloren. Die Fülle an Blüten dient also als Sicherheitsreserve, um trotz widriger Umstände ausreichend Früchte zu tragen. Überträgt man dieses Prinzip auf wirtschaftlich-soziale Systeme, bedeutet Freigiebigkeit dasselbe: Wer großzügig Wissen, Zeit oder Ressourcen teilt, schafft zahlreiche Anknüpfungspunkte. Nicht jede Initiative führt beim ersten Mal zum Erfolg, manche Ideen verpuffen, manche Verbindungen brechen ab. Doch genau wie die Blütenpracht sorgt auch zwischenmenschliche Freigiebigkeit dafür, dass genügend „bestäubte“ Impulse übrig bleiben, um echte Verständigung, erfolgreiches Reifen und nachhaltiges Wachstum hervorzubringen. Aus einer anderen Perspektive bringt die christliche Parabel „Wer gibt, dem wird gegeben“ den Gedanken treffend auf den Punkt: Wer großzügig handelt, schafft langfristig die Grundlage für eine reiche Ernte. „Was gönne ich mir selbst?“ In diesem Sinne können Sie bei sich beginnen mit der Frage: „Was gönne ich mir selbst und auf welche Art und Weise tue ich das?“ Manche Menschen können sich mit viel Freude selbst beschenken, viele mit ebensolcher Freude auch andere. Eine Art, Freigiebigkeit zu leben, ist die Muße. In vielen Betrieben ist stets die Hektik das dominierende Element, in anderen wiederum die Ruhe. Beide können hervorragende Unternehmen sein, es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Meist hat es aber mit der Kultur des Hauses und auch mit der Kultur der Betreiber/innen zu tun. Wenn es etwa üblich ist, sich Pausen zu gönnen, wenn man sie braucht, führt das bei dem einen Betrieb zu genereller Ausgeglichenheit und Zufriedenheit, im anderen werden die Pausen ausgenützt bis zur betrieblichen Schmerzgrenze.
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