TRAUNER Leseprobe

Organisationsprinzipien verstehen: Die Basis erfolgreicher Führung 45 Diese Hominiden werden als Vorfahren der modernen Menschen betrachtet – wie z. B. die rund 3,2 Millionen Jahre alte „Lucy“ – und sie konnten bereits aufrecht gehen. Kommen wir zurück zu den alten Mustern. Wenn die Gruppe der Urmenschen im Wald unterwegs war, wurde sie von jenem Individuum angeführt, das besonders gut hören konnte, weil man im Wald Gefahr hört, bevor man sie sieht. Wenn die Gruppe in die Savanne wechselte, musste sie von einem anderen Individuum geführt werden, nämlich von jenem mit den besten Augen, weil man in der Savanne die Gefahr sieht, bevor man sie hört. Jene Gruppen, die Führung fix vergeben hatten, in denen also immer ein Gruppenmitglied aufgrund seiner (erkämpften) Position als Chef die Gruppe anführte, gehören nicht zu unseren Vorfahren, weil sie der natürlichen Ausmerze der Evolution zum Opfer fielen. Diese Überlegung führt uns zu unseren eigenen Organisationsproblemen. Wenn der Chef oder die Chefin heute in unterschiedlichen Anforderungssituationen die Entscheidungen stets allein trifft, passt das zwar zur „Heiligkeit“ (hier: Nichtanzweifelbarkeit) der hierarchischen Struktur, ist aber in der Praxis wenig hilfreich für die unternehmerischen Herausforderungen der Gegenwart. Wenn Führungskräfte (in hierarchischen Strukturen) situativ die Sichtweisen und Erfahrungen anderer Teammitglieder miteinbeziehen, sind es bereits mehr Menschen mit guten Augen und Ohren (analog zu unserem Hominiden-Beispiel) und die Chance steigt, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. Das setzt Folgendes voraus: Die Chefin bzw. der Chef in der Hierarchie pocht nicht auf Unfehlbarkeit und Allwissen, das sie/er aufgrund des hierarchischen Prinzips hat: der Mensch „oben“ hat immer Recht, weil sonst wäre er ja nicht oben (siehe Kapitel 1.1: Hierarchie – ein Organisationsprinzip mit Reformbedarf, S. 10).

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