TRAUNER Leseprobe

Organisationsprinzipien verstehen: Die Basis erfolgreicher Führung 51 genau so viel wie die Stimmen der anderen Crewmitglieder. Alle Beteiligten lernen nicht nur ihren Stellenwert kennen (gleichwertig, aber in verschiedenen Funktionen), sondern üben auch das effektive „Funktionieren“ der Gruppe. Das bringt uns zum nächsten wichtigen Punkt bei der Frage der Einbindung und Mitverantwortung: Gruppen bzw. Teams müssen reif sein, um nicht nur gut zu funktionieren, sondern zusätzlich eigenverantwortlich zu agieren. Eine reife Gruppe erkennt man u. a. an hohem Vertrauen – weil die Teammitglieder einander kennen und gut einschätzen können; hoher Konfliktfähigkeit – weil die Teammitglieder auftauchende Konflikte als Chance zur Weiterentwicklung sehen und somit konstruktiv mit ihnen umgehen können; hoher Reflexionsfähigkeit – sie reden anlassbezogen bzw. von Zeit zu Zeit über sich und darüber, was in ihrer Gruppe gut und weniger gut läuft; hoher Stabilität – weil zu stark abweichende Personen gut „eingefangen“ oder – wenn notwendig – sehr schnell ausgeschlossen werden können, ohne dass daran die Gruppe zerbricht; hoher Flexibilität – neue Personen können gut und schnell integriert werden, die Gruppe bleibt eine Gruppe mit guter, stabiler Identität, auch wenn es Fluktuation gibt; hoher Performance – weil sie die anstehenden Aufgaben mit Leichtigkeit erledigen kann: Sie hat ihre eigene Gruppendynamik im Griff und kann sich so auf die Aufgaben fokussieren. Eine der wichtigsten Aufgaben für die Zeit „moderner“ Hierarchie besteht also darin, Gruppen zu reifen Gruppen wachsen zu lassen. Autoritäre Hierarchie tut das nicht, sondern übt sich im Gegenteil: Gut funktionierende Gruppen werden möglichst schnell und gründlich zerschlagen, weil man in ihnen quasi so etwas wie ein „Revolutionspotenzial“ gegen die heilige Ordnung vermutet. In der unreflektierten Hierarchie alten Musters ist das ein Angriff auf die Heiligkeit des Systems und somit abzuwehren. Moderne Organisationen fördern die Entwicklung der Gruppe in Richtung geteilter Verantwortung und schaffen die dafür notwendigen Rahmenbedingungen.

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