Der Benimm-Code
Gute Umgangsformen verbinden die Menschen
Elisabeth Motsch und Doris Schulz haben für alle Menschen, die sich beruflich und privat profilieren wollen, ein Buch geschrieben. Darin erklären die beiden Benimm-Code-Expertinnen, die bereits seit Längerem ein erfolgreiches Team bei Seminaren und Buchprojekten sind, wie man mit guten Umgangsformen überzeugt und welchen Wert Dresscodes haben. Nun ist das Buch in der 2. überarbeiteten und erweiterten Neuauflage erschienen.
Sie bringen Erfahrungen aus der ganzen Welt mit. Gibt es universelle Benimm-Codes?
Schulz: Gute Umgangsformen sind die Grundlage für Vertrauen – unabhängig von Sprache, Kultur oder Herkunft. Wer anderen mit Respekt, Aufmerksamkeit und Wertschätzung begegnet, schafft die Basis für tragfähige Beziehungen und erfolgreiche Zusammenarbeit. Gerade im internationalen Netzwerk entscheidet oft nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern das respektvolle Miteinander über den langfristigen Erfolg.
Motsch: Höflichkeit funktioniert überall, aber sie spricht nicht überall dieselbe Sprache. Wer die feinen Unterschiede kennt, bewegt sich sicher – wer sie nicht kennt, tappt schnell ins Fettnäpfchen.

Elisabeth Motsch, Expertin für die Erfolgsfaktoren Kleidung und Umgangsformen ...

Mag.a Doris Schulz, Medienfrau, Podcasterin und Politcoach ...
Welche Benimm-Bereiche haben Sie für das Buch ausgewählt?
Motsch: Wir haben versucht, möglichst viele Bereiche unterzubringen – private wie auch berufliche. Es geht stets um das Zusammenleben und wie Signale in dem Umfeld wirken, in dem man sich bewegt. Das betrifft auch die Körpersprache. Alles, was man sieht und hört, hat Auswirkungen auf die Beziehung zueinander. Wir haben auch versucht, für bestimmte Alltagssituationen Antworten zu geben, wo wir häufig Unsicherheiten und Irrtümer beobachten: bei Begrüßung und Vorstellung, im Berufsleben, beim Sport …
Wir sind durch unsere Vorträge, Seminare und Coachings sehr viel unterwegs, sprechen mit vielen Menschen, haben daraus auch viele Fragen mitgenommen, die wir ins Buch einfließen ließen. Einerseits was die digitale Arbeitswelt betrifft, andererseits aber auch bezogen auf unterschiedliche soziale oder berufliche Umfelder. Wer einen Code versteht, kann ihn auch einsetzen.
Welcher Tipp aus dem Buch wäre Ihrer Meinung nach der wichtigste?
Motsch: Aufmerksamkeit. Wer wirklich hinschaut und zuhört – ob im Gespräch, in der E-Mail oder im Video-Call – macht automatisch vieles richtig, auch ohne jede Detailregel zu kennen.
Schulz: Die Macht des ersten Eindrucks halte ich für besonders wichtig, da es keine zweite Chance dafür gibt. Sich damit auseinanderzusetzen, wie ich authentisch wirke und wie ich gesehen werden möchte, ist wesentlich für einen klaren und wertschätzenden Umgang.
Was hat sich seit Erscheinen der letzten Auflage am meisten verändert?
Motsch: Weniger Hierarchie, mehr Augenhöhe – veraltete Rollenbilder brechen auf. So ist beispielsweise das Aufstehen zur Begrüßung heute für Damen und Herren gleichermaßen selbstverständlich. Gleichzeitig kommunizieren immer mehr Menschen mit Unterstützung von KI – und das braucht neue Spielregeln.
Schulz: Heute zählen unkompliziertere Begegnungen und ein weniger steifer Umgang miteinander, aber der gegenseitige Respekt muss wieder mehr ins Bewusstsein rücken. Digitale Medien, Künstliche Intelligenz und reale Begegnungen unterscheiden sich im Kern nicht: Respekt und Wertschätzung gelten überall.

Der überraschendste Trend in den Umgangsformen?
Motsch: Wie schnell sich die Duz-Kultur in den letzten Jahren durchgesetzt hat. Vor wenigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.
Wo ziehen Sie persönlich die Grenze zwischen „Du“ und „Sie“?
Motsch: Das hängt stark vom Kontext ab. In einem Start-up oder Coworking-Space ist das Du oft selbstverständlich. Ich bleibe bei jedem Erstkontakt mit Kundinnen/Kunden beim Sie, bis es aktiv angeboten wird oder wir es gemeinsam vereinbaren. Grundsätzlich sollte immer die ranghöhere oder ältere Person das Du anbieten.
Schulz: Aus meiner Zeit als Abgeordnete weiß ich, wie wichtig es ist, mit der richtigen Ansprache die Menschen für sich zu gewinnen. In den ländlichen Regionen und bei jungen Menschen oder in Service-Clubs kann das respektvolle Du Türen öffnen. Das ist aber kein generelles Rezept, sondern verlangt sehr viel Fingerspitzengefühl und Wissen darüber, welche Umgangsformen wo gelebt werden.

Gibt es einen Unterschied zwischen „steifer Etikette von früher“ und heutigen Umgangsformen?
Motsch: Früher ging es oft um starre Regeln, um ihrer selbst willen. Heute geht es mehr um Wirkung: Wie schaffe ich Vertrauen, wie zeige ich Wertschätzung – mit weniger Formalismus, aber mehr Fingerspitzengefühl.
Welche Umgangsform wird am meisten unterschätzt?
Motsch: Zuhören und echte Verbindung zum Gegenüber aufzubauen. Gerade im Small Talk neigen viele dazu, vor allem selbst zu reden, statt den anderen Raum zu geben – dabei entsteht Nähe genau dort, wo man wirklich zuhört.
Was hat Sie dazu bewegt, eigene Kapitel zu Social Media und KI aufzunehmen?
Schulz: Als Medienfrau erlebe ich täglich, wie rasant Kommunikation heute geworden ist – und wie schnell dabei Respekt, Wertschätzung und gute Umgangsformen verloren gehen. Die Kapitel über Social Media und Künstliche Intelligenz spiegeln meinen Berufsalltag als Vortragende und Mediencoachin wider und zeigen, dass ein wertschätzender Umgang auch im digitalen Raum wichtiger denn je ist.
Motsch: Immer wieder bekomme ich E-Mails, die spürbar von einer KI formuliert wurden – unpersönlich, auffallend austauschbar. Genau das war der Anlass für ein Kapitel über den richtigen Umgang mit KI in der Kommunikation.
Das Kernthema des Buches hat ja auch mit Ihren Geschäftsfeldern zu tun. Können Sie uns das kurz erläutern?
Elisabeth Motsch: Wie wir auftreten, spricht oft lauter als Worte – diese Überzeugung begleitet mich seit 1998 in meiner Arbeit als Stil- und Imageexpertin – für Firmenkunden ebenso wie im persönlichen Einzelcoaching. 2004 kam mein zweites großes Thema dazu: gute Umgangsformen. Genau darüber haben wir unser erstes gemeinsames Buch geschrieben. Was mich antreibt: Menschen zu zeigen, dass ihr Auftreten und ihre Kleidung immer auch eine stille Botschaft senden – über Werte, über Respekt, über Achtsamkeit. Ich glaube nicht an starre Regeln, sondern an einen Rahmen, der ein Gespür für den Moment entstehen lässt. Denn Regeln allein reichen nicht, wenn sie nicht wirklich zum jeweiligen Umfeld passen.
Doris Schulz: Als Journalistin, Moderatorin und Medienfrau mit langjähriger Erfahrung in Print, Radio, Fernsehen und digitalen Medien habe ich unterschiedlichste Erfahrungen. Inhalte entwickeln, Interviews führen und Veranstaltungen mit journalistischer Sorgfalt und persönlicher Präsenz zu moderieren gehören zu meinen Kernkompetenzen. Aus meinen Erfahrungen in der Politik bringe ich vieles zum Thema Female Empowerment, Präsentation in der Öffentlichkeit, Etikette und internationales Netzwerken als Expertin ein. Mit Elisabeth Motsch verbindet mich eine lange berufliche Partnerschaft, aus der Freundschaft wurde. Es ist unser drittes Buch, das wir nun in aktualisierter Fassung vorlegen.



