Endlich bleiben mir die Leut’!
Unsere Profis im Interview
Diese neuen Antworten sind nicht nur auf struktureller Ebene zu finden. Natürlich müssen die Rahmenbedingungen wie Einkommen und Arbeitsbedingungen passen. Aber das ist längst nicht mehr das entscheidende Kriterium für Arbeitnehmer:innen, ob sie einem Unternehmen treu bleiben oder gehen. Eine Befragung österreichischer Erwerbstätiger* zeigt, dass trotz dem lauten Ruf nach Jobsicherheit immer mehr Angestellte bereit sind zu kündigen, wenn Führung und Zusammenarbeit schlecht sind und es zu wenig Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für sie gibt.
Sicher ist: je besser Sie Ihre Leute binden, desto weniger müssen Sie neu finden.
Fünf Faktoren können einen relevanten Unterschied in der emotionalen Mitarbeiter:innen-Bindung machen:
1. Der Sinnfaktor – Das gemeinsame „Wofür“
Menschen sind bereit, sich ins Zeug zu hauen, wenn sie wissen, wofür. Und dieses „wofür“ muss sich in der Unternehmenskultur widerspiegeln und zum eigenen Antrieb passen. Der Sinnfaktor hat mit Werten zu tun und ist zutiefst persönlich – das Darüber-Reden daher wichtig. Wer nicht weiß, wofür er etwas tut, hört irgendwann auf, es gut zu tun.
Wodurch können Sie Sinn im Betrieb fördern?
Betonen Sie die gemeinsame Ausrichtung, indem Sie die Werte und die Mission des Unternehmens immer wieder spürbar machen: Warum gibt es uns? Wofür stehen wir und was versprechen wir? Und welchen Beitrag leistet jede einzelne Person dafür? Lassen Sie sich bei Entscheidungen von diesen Werten und dem höheren Ziel leiten. Sinn beginnt beim ersten Kontakt auf der Website oder der Hotel-Broschüre – und mündet in Weiterempfehlungen.
2. Der Verbundenheitsfaktor – Beziehung ist kein Kuschelkurs
Bindung entsteht durch eine starke Beziehung zwischen dem „Ich“, dem „Du“ und dem „Wir“. Wo ein Mensch sich als Mensch wahrgenommen und mit allen Ecken und Kanten wertgeschätzt fühlt, kann Vertrauen, Verbundenheit und tiefe Loyalität entstehen.
Wodurch können Sie Verbundenheit im Betrieb fördern?
Fördern Sie echten Dialog – auch zu außerbetrieblichen Themen – und schaffen Sie Räume für Kommunikation auf Augenhöhe. Das gelingt durch echtes Interesse und aktives Ansprechen von Dingen, auch wenn sie auf den ersten Blick unangenehm scheinen. Tun Sie alles, um die Dialogfähigkeit in Ihrem Unternehmen zu trainieren und zu stärken, denn Verbundenheit entsteht nicht durch Nettigkeit, sondern durch die Erfahrung des „Sich-Mitteilens“ und „Gesehen-Werdens“.
3. Der Informationsfaktor – Wissen schafft Verantwortung
Information ist kein Machtinstrument, sie ist ein Vertrauensdünger. Richtig angewandt, können geteilte Information und Wissen ein Arbeitsumfeld schaffen, das motiviert statt frustriert. Wer weiß, was los ist, kann mit-denken und mit-entscheiden. Partizipation motiviert und schafft Loyalität. Wenn Information gelingt, können Entscheidungen dort getroffen werden, wo die Kompetenz dafür sitzt. Das ermöglicht bestmögliche Ergebnisse und gelebte Mit-Verantwortung.
Wodurch können Sie Information im Betrieb fördern?
Die Kunst ist es erstens, den richtigen Grad zwischen beteiligender Transparenz und notwendiger, schützender Vertraulichkeit zu finden. Zweitens gibt es die Herausforderung des Zugangs und der Organisation von Informationen. Informationsaustausch muss organisiert werden, um Wildwuchs und Ineffizienz zu vermeiden und Klarheit zu schaffen – das gilt übrigens auch für Besprechungen.
4. Der Entfaltungsfaktor – Stillstand führt zur Kündigung
Worum geht’s dabei?
Sinnorientierte Menschen wollen sich einbringen und sich entwickeln – wollen wachsen im Tun. Manche haben, aus ganz unterschiedlichen Motiven, auch konkrete Karriere-Ambitionen. Wenn sie das Gefühl haben, in ihren Stärken nicht gesehen und gefördert zu werden, gehen sie früher oder später. Das wahre Kapital Ihres Betriebs ist nicht die Immobilie, sondern der Lerneifer und Mit-Wirkungsdrang Ihrer Mitarbeitenden.
Wodurch können Sie Entfaltung im Betrieb fördern?
Der beste Dünger ist eine Kultur, in der Mut zum „Einfach machen“ und Ausprobieren besteht. Wo Selbstkontrolle gefördert und Fehler gut akzeptiert werden, weil sie Verbesserungswürdiges aufzeigen, fühlen sich Menschen frei und sicher zugleich. Fördern Sie Ihre Team-Mitglieder individuell durch passende Herausforderungen: nicht zu klein und nicht zu groß. Wer sich einbringen darf mit eigenen Ideen, wer sich entwickeln und lernen darf, der bleibt. Wer nur nach Vorschrift funktionieren soll, sucht sich etwas anderes.
5. Der Begeisterungsfaktor – Glück erzeugt Bindung
Worum geht’s dabei?
Begeisterung lässt sich nicht anordnen und auch nicht erkaufen. Sie entsteht dort, wo Erwartungen übererfüllt werden. Das geht im menschlichen Kontakt ganz leicht…und auch wieder nicht. Aus Begeisterung entsteht Glück, ein Gefühl innerer Zufriedenheit. Dieses Gefühl bindet – ganz ohne Zwang – und steigert nebenbei auch noch die Leistungsbereitschaft.
Wodurch können Sie Begeisterung im Betrieb fördern?
Sie machen Ihre Mitarbeitenden zu wahren Fans, wenn diese sich wertgeschätzt und wirksam erleben und wenn sie stolz sind auf das, was sie tun und was das Unternehmen tut. Bringen Sie Menschen stärkenorientiert miteinander ins Tun – für das gemeinsame Ganze. Unterstützen Sie dabei und anerkennen Sie den Einsatz und das Ergebnis, indem Sie Erfolge auch gebührend feiern. Das setzt Glücksgefühle frei und wirkt nachhaltiger als jedes Bonusmodell.
